Europa in Coburg

Seit 2005 führt Coburg den Titel „Europastadt“

Coburg liegt im Herzen Europas! Stadt und Landkreis sind nicht nur durch das Herzogshaus mit ganz Europa verbunden, der europäische Gedanke wird hier gelebt und nach außen getragen.

Coburg ist Europa-Stadt, pflegt Städtepartnerschaften und wirtschaftliche Beziehungen über den gesamten Kontinent. Die Stadt wurde mehrfach für ihr Engagement um die europäische Idee ausgezeichnet. Das Europe Direct Informationszentrum vergibt den Europa-Preis an Schulen und Auszubildende.

Was tut sich sonst noch in ‚Sachen Europa‘ in der Region Coburg und Sonneberg?

Pressefoto OB Tessmer
Oberbürgermeister von Coburg: Norbert Tessmer.

„Die Europawahl am 26. Mai 2019 hat gezeigt, dass die europäischen Staaten vor allem extremer gewählt haben. Die Wahlbeteiligung in Deutschland stieg immens an und das hat mit einem Kernthema der Gegenwart zu tun: dem Klimaschutz. Was wir gerade erleben, ist, wie sich Menschen auf der ganzen Welt nicht mehr auf dem Rand-Platz von Diskussionen halten, sondern sich unmittelbar daran beteiligen wollen. Und vor allem die junge Generation ist nach der Europawahl noch offener für politische Themen. Die europafeindlichen Kräfte haben weniger stark abgeschnitten, als erwartet. Jedoch stellen die rechtspopulistischen Parteien weiterhin eine Gefahr für den Demokratiegedanken des einheitlichen Europas dar und müssen für den weiteren Fortschritt der europäischen Integration entkräftet werden“.

 

 

Dr-Heiko-Voigt
Bürgermeister von Sonneberg: Dr. Heiko Voigt

Als Welt-Spielzeugstadt hat Sonneberg schon immer internationale Beziehungen gepflegt – innerhalb Europas und über Europa hinaus. Der „Eiserne Vorhang“ hat dies über Jahrzehnte verhindert. Und mit dem Blick auf den 30. Jahrestag zum Fall der Mauer im November können wir uns alle nur wünschen, dass unsere Zukunft von einem friedlichen und partnerschaftlichen Miteinander geprägt bleibt und jede Form von Separatismus und Abschottung endgültig der Vergangenheit angehören.

Die Europäische Union ist ein Garant für Frieden und Verständigung. Dies zu sichern, muss uns allen ein Herzensanliegen sein. Dass Sonneberg natürlich auch weiterhin von europäischen Fördermitteln profitieren will und diese Instrumente der Regional- und Strukturpolitik auch nach dem Ausscheiden Großbritanniens nicht eingeschränkt werden dürfen, versteht sich von selbst.“

 

                                                                                                                                                                                      

Europapolitik findet in den Städten statt

Interview mit Bürgermeister Tobias Ehrlicher aus Bad Rodach

Europapolitik ist auch Kommunalpolitik. Mehr als zwei Drittel aller EU-Regelungen fallen direkt oder indirekt in die Zuständigkeitsbereiche der Kommunen. Die Städte in Europa gestalten die Europäische Union also aktiv mit und wollen – umgekehrt – auch ihre Interessen auf europäischer Ebene vertreten. Ein stabiles und bürgerorientiertes Europa sei nur mit den Städten und Gemeinden als Trägern der Daseinsvorsorge für die rund 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union erreichbar, veröffentliche kürzlich der Deutsche Städtetag. Bad Rodach ist, mit seinen über 50 verschiedenen Nationen, die dort leben, eine Europastadt im besten Sinne. Durch ansässige global agierende Unternehmen und die ThermeNatur als staatlich anerkannter Heilquellenkurbetrieb finden zahlreiche Fachkräfte aus europäischen Nachbarländern oder Badegäste ihren Weg in die kleine Stadt, die einst nahe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze lag.

Seit 2011 wird Mitte Juli in Bad Rodach der „Tag der Europäer“ gefeiert, ein buntes, vielschichtiges Traditionsfest, bei dem sich die verschiedenen Nationen mit Sitten, Gebräuchen und kulinarischen Besonderheiten vorstellen. Ein Statement für eine weltoffene und tolerante Kommune.

Zwei überzeugte Europäer: Bürgermeister Tobias Ehrlicher aus Bad Rodach zu Besuch bei Rainer Maier, Geschäftsführer der vhs Coburg.

Herr Ehrlicher, warum ist Bad Rodach eine europäisch geprägte Stadt?

Bad Rodach hat nicht nur viele europäisch und global agierende Unternehmen und Kurgäste aus ganz Europa. Das Herz von Bad Rodach und vielen Bürgern schlägt auch für Europa – ganz besonders an unserem Traditionsfest, dem ‚Tag der Europäer‘.

Wie ist der „Tag der Europäer“ in Bad Rodach entstanden?

Ins Leben gerufen wurde das Fest durch einen Antrag aus dem Jahr 2001 der SPD-Fraktion in Bad Rodach auf Vorschlag der SPD- Bezirksrätin und Lehrerin Roswitha Friedrich, die einst als Flüchtlingskind aus Danzig nach Rodach kam. Als sie viele Jahre nach ihrer Flucht als Lehrerin in Bad Rodach auch Kinder aus der Türkei, Italien und Jugoslawien unterrichtete, erinnerte sie sich wieder an die Erlebnisse aus der eigenen Kindheit. Das Konzept, wie das gegenseitige Kennenlernen erleichtert werden kann, wurde durch Hauptamtsleiter Uwe Schmidt und SPD-Fraktionsvorsitzenden Axel Dorscht erarbeitet und mit ihnen und vielen Ehrenamtlichen umgesetzt. Auch die Firma Valeo mit Facharbeitern aus der ganzen Welt und ihrem Hauptsitz in Paris hat einen großen Anteil am Gelingen des Fests. Derzeit beschäftigt das Valeo-Werk Bad Rodach insgesamt 1137 Beschäftigte aus mehr als 30 Nationen. In diesem Jahr haben wir den „Tag der Europäer“ übrigens schon zum 18. Male gefeiert.

Inwiefern ist die Europäische Union für eine Stadt wie Bad Rodach wichtig?

Die Europäische Union als Zusammenschluss von europäischen Staaten mit heute rund 500 Millionen Einwohnern hat über viele Jahrzehnte einen einmaligen europäischen Integrationsprozess vollbracht. Wir verdanken die längste Friedensperiode in Europa und damit auch die längste Periode ununterbrochener städtischer Entwicklung dieser europäischen Idee. Meiner Meinung nach wird Europa vor Ort gelebt: Hier kommt die Wertegemeinschaft vor Ort zum Tragen, das spürt man auch ganz deutlich beim „Tag der Europäer“.

In Ihrer Funktion als eine Art „Scharnier“ zwischen Bürgern und EU haben Städte und Kommunen verschiedene Forderungen an das Europäische Parlament. Welche sind Ihnen die wichtigsten?

Die europäische Integration ist ein wichtiger Pfeiler für ein friedliches Zusammenleben und wirtschaftliches Wachstum in Europa. Deshalb finde ich, dass die kommunale Ebene konsequent in den Gesetzgebungsprozess eingebunden werden müsste. In Coburg haben wir vor Ort das Informationszentrum Europe Direct an der VHS Coburg, mit dem wir zusammenarbeiten und das wichtige Impulse aus Europa in der Region setzt.

Die Städte spielen eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung, Finanzierung und Umsetzung der wichtigsten Politikfelder der EU. Das sollte stärker anerkannt werden. Schließlich übernehmen die Bürgerinnen und Bürger eine wichtige Rolle im Integrationsprozess. Ihre Sorgen müssen ernst genommen und abgebaut werden. Mir wäre es auch wichtig, dass grundsätzlich die Teilnahme an EU-Projekten erleichtert wird und auch kleine Projekte einfacher umsetzbar werden. Nicht die Größe der Projekte, sondern die innovative Idee sollte eine Rolle spielen. Zukünftig sollte auch der Personalaufwand förderfähig sein.

Wie sehen Sie die Zukunft zwischen EU und den Städten in Deutschland?

Die Städte werden noch stärker den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu europapolitischen Themen suchen müssen. Dabei wäre es wichtig, dass das Europäische Parlament, die Bundesregierung und die Landesregierungen beginnen, diesen Dialog stärker zu fördern und aktiv mitzugestalten. Diese Prozesse müssen transparenter gestaltet werden, damit die Leute sehen, welche Vorteile die Europäische Union ihren Mitgliedsstaaten und den dort lebenden Menschen bringt. Ich finde, wir müssen mit dem „Schwarzer-Peter-Prinzip“ aufhören. Was bringen schon Schuldzuweisungen? Viel besser wäre es, gemeinsam für die europäische Idee zusammen zu stehen.

                                                                                                                                                        

Botschafter des „Projekts Europa“

Coburger Europa-Preis wurde vergeben

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Schirmherr der Veranstaltung: Erbprinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha

Das Informationszentrum Europe Direct in Coburg verlieh in Kooperation mit der VR-Bank Coburg und der Industrie- und Handelskammer zum sechsten Male den Coburger Europa-Preis. In der Kategorie „Schulpreis“ wurde die Freiherr-von-Rast-Schule ausgezeichnet, die Realschule II Coburg und das Gymnasium Casimirianum erhielten den Europa-Preis in der Kategorie „Klassenpreis“.

Auch in diesem Jahr fand die Preisverleihung im festlichen Ambiente des Riesensaals von Schloss Ehrenburg unter der Schirmherrschaft von Hubertus Erbprinz von Sachsen-Coburg und Gotha statt. „Europa befindet sich in einer kritischen und spannenden Phase. Viele Bürger fragen sich, warum sie überhaupt noch zur Wahl gehen sollen. Der Brexit steht bevor und zeigt, dass Wahlen wichtiger denn je sind, weil sonst Minderheiten über den Willen der Bürger entscheiden“, sagte der Schirmherr, der sich erfreut darüber zeigte, wie interessiert sich viele Schülerinnen und Schüler mit politischen Themen beschäftigen. Europa und die EU stehen vor großen Herausforderungen. Umso wichtiger sei es, dass sich gerade junge Menschen mit der EU und der Idee eines vereinten Europas auseinandersetzten.

„Mit dem Europa-Preis wollen wir das europäische Engagement von Schülerinnen und Schülern aufzeigen und ehren“, sagte Iris Kroon-Lottes, Leiterin des Informationszentrums Europe Direct. Um diesen Gedanken aktiv zu unterstützen, hat das Europe Direct Informationszentrum an der vhs Coburg bereits 2013 den Coburger Europa-Preis ins Leben gerufen, der von der VR-Bank Coburg und der Industrie- und Handelskammer zu Coburg unterstützt wird.

IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel und Karlheinz Kipke, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Coburg, die beide Teil der Jury waren, zeigten sich beeindruckt über „höchst unterschiedliche und ambitionierte Beiträge aus den verschiedenen Schulen“. Die Auswahl der Preisträger sei in diesem Jahr eine schwierige Aufgabe gewesen. In Richtung der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lehrkräfte sendete Schnabel ein großes Lob: „Sie alle sind mit ihren Leistungen Botschafter des Projekts ‚Europa‘. Ich danke auch den beteiligten Lehrkräften für ihr vorbildliches Engagement, sich auf kreative Art mit Europa zu beschäftigen und den europäischen Gedanken an den Nachwuchs weiterzureichen“.

In Europa stehen die Entscheider vor großen Herausforderungen, die einzelne Länder im Alleingang nicht lösen können. Es ging und gehe darum, unter Bewahrung der Vielfalt nationaler Kulturen und Traditionen eine europäische Identität zu entwickeln, basierend auf gemeinsamen Werten wie repräsentative Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit, sagte Schnabel. Hier setze auch der „Europa-Preis“ an, mit dem Aktionen und Projekte belohnt werden, die dazu beitragen, dass junge Leute sich konstruktiv mit dem Thema Europäische Union auseinandersetzen und auf diese Weise ein europäisches Verständnis entwickeln.

In diesem Jahr wurden ein Schulpreis (750 Euro) und zwei Klassenpreise (Erlebnis- Sachpreis in Höhe von 500 Euro) verliehen.

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Den Europa-Preis in der Kategorie „Klassenpreis“ gewann das Coburger Gymnasium Casimirianum mit der Teilnahme an einem Erasmus+-Projekt, das über einen Zeitraum von drei Jahren lief und in diesem Jahr seinen Abschluss in Coburg feierte.

Unter dem Titel: „Making school a home for each student – unity in diversitiy“ präsentierten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der 10. Und 11. Jahrgangsstufe die Inhalte des Projekts, an dem außer dem Casimirianum fünf weitere Schulen aus Belgien, Italien, Luxemburg, Spanien und Schweden beteiligt waren. Ziel war es, Methoden zur besseren Inklusion und Integration verschiedener Schüler-Zielgruppen zu entwickeln. Die Jugendlichen befassten sich mit Themen wie Kunst, IT, zivilgesellschaftliches Engagement, Sport, interkulturelle Kompetenzen oder Aktivitäten außerhalb des Unterrichts.

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Wie schmeckt Europa und kann Europaliebe auch durch den Magen gehen? fragte sich die Klasse 6 c der Realschule II Coburg und versuchte sich dem Thema Europa mit allen Sinnen zu nähern. Für ihre „kulturelle und kulinarische Reise durch Europa“ wurden die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkräfte ebenfalls mit dem „Klassenpreis“ ausgezeichnet. Bei ihren Recherchen zu europäischen Städten entdeckten die Sechstklässler zahlreiche, landestypische Rezepte, die nachgekocht wurden und aus denen sogar ein europäisches Kochbuch verfasst wurde.

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Die Freiherr-von-Rast-Schule Coburg beschäftigt sich schon seit über zehn Jahren intensiv mit  Europa. In diesem Jahr gewann die Schule den mit 750 Euro dotierten „Schulpreis“ mit ihrem Thema „In Europa zu Hause“. Präsentiert wurde die Möglichkeit, im Rahmen einer Ausbildung über das EU-Programm „Lebenslanges Lernen“ Auslandspraktika in Belgien, Österreich und Schweden zu absolvieren. Die Austauschüler bekommen bei ihren Auslandsaufenthalten auch Einblicke ins kulturelle, soziale und gesellschaftliche Leben der Menschen vor Ort.

Der ehemalige stellvertretende Schulleiter Rolf Sander stellte außerdem ein Kunstprojekt vor, das sich mit den Schrecken des 1. Weltkriegs beschäftigte. 600.000 Tonskulpturen erinnerten dabei an die Gefallenen, die auf flämischen Schlachtfeldern gestorben sind. Zahlreiche Coburger Austauschschüler hatten daran teilgenommen und selbst Tonfiguren geformt. Sander berichtete von gemeinsamen Gedenkveranstaltungen sowohl in Waregem in Belgien als auch in Coburg. Zwei Skulpturen wurden an die beiden weiteren Europa-Preis-Träger verschenkt.

Musikalisch umrahmt wurde das Programm von jungen Musikern der Musikschule in Coburg.

Für den Coburger Europa-Preis konnten sich Schulen und Schulklassen beziehungsweise Schüler- und Azubigruppen aus Coburg Stadt und Land und der Region Sonneberg bewerben, die sich (innerhalb des geltenden Bewerbungsjahres) im Unterricht intensiv mit den Themen EU und Europa auseinander gesetzt haben.

Das Informationsbüro Europe Direct freut sich auch für das kommende Jahr über zahlreiche Bewerbungen und Einsendungen. Bei Fragen melden Sie sich bitte dirtekt bei: iris.kroon-lottes@vhs-coburg.de.

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