Europa in Coburg

Coburg – schon lange Europas heimliche Hauptstadt

Bereits im Hochmittelalter lag Coburg an einem frequentierten Handelsweg, der den Norden mit dem Süden des Reiches verband. 1126 wurde die Stadt in einer Papstbulle erwähnt – ein Zeichen, dass Coburg schon früh in Europa wahrgenommen wurde. Später fand hier Martin Luther Zuflucht – ein Mann, der Europa nachhaltig geprägt hat. Außerdem war die Stadt Schauplatz des 30-Jährigen Krieges, in den ganz Europa verwickelt war. Von Oktober 1806 bis Juli 1807 stand Coburg sogar unter französischer Verwaltung.

Die größte Rolle spielte Coburg aber nicht im Krieg, sondern auf einer ganz anderen Bühne  – der Heiratspolitik. Das Herzoghaus exportierte ab 1796 seine Nachkommen in zahlreiche Länder des Kontinents: Portugal, Bulgarien, Belgien, Großbritannien, Russland, Rumänien und Schweden. Vor allem aus der Verbindung von Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha mit der englischen Königin Victoria stammen viele Ahnen europäischer Königshäuser: Das Paar hatte neun Kinder und 42 Enkelkinder, von denen viele geschickt verheiratet wurden. In der Stadt versammelte sich zu dieser Zeit der europäische Hochadel, so dass von Coburg als der heimlichen Hauptstadt Europas gesprochen wurde.

Dieses – durch verwandtschaftliche Beziehungen vereinte – Europa hielt allerdings nicht lange. Ein Krieg nach dem anderen brach auf dem Kontinent aus. Tausende von jungen Coburgern mussten gegen Franzosen, Engländer und Russen kämpfen. Erst 1945 hatte das Leid ein Ende – und Coburg rutschte durch die Teilung des Kontinents vom Zentrum an den Rand Europas. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kehrte die Stadt zurück in den Mittelpunkt der heutigen Europäischen Union – in den Mittelpunkt einer neuen Friedensordnung, die den Bürgern die bislang längste Friedenszeit auf dem Kontinent beschert hat.

Literatur: Melville, Gert: Coburg im Netzwerk Europas (=Coburger Geschichtsblätter, Jahresband 2008)

 Coburg in Europa heute

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Europa-Schilder an den Ortseingängen zeugen davon: Coburg fühlt sich dem europäischen Gedanken verpflichtet. Simeon II, König der Bulgaren (links) und Norbert Kastner, damals Oberbürgermeister, brachten die Schilder gemeinsam an. Foto: Büro OB, Stadt Coburg

Auch aufgrund der – eng mit Europa verbundenen – Geschichte fühlen sich die Stadt und der Landkreis Coburg noch heute dem europäischen Gedanken verpflichtet. Davon zeugen unter anderem die Europa-Schilder an den Ortseingängen. Sie weisen auf die Verbundenheit der Stadt zur Europäischen Union hin.

Doch der Europa-Gedanke wird nicht nur nach außen getragen, sondern auch in der Stadt gelebt:Schulen setzen mit Partnerschulen in anderen europäischen Ländern Projekte um, organisieren Schüleraustausche und veranstalten Europatage. Das „International Office“ der Hochschule entsendet Studenten für ein bis zwei Semester ins europäische Ausland und empfängt und betreut Studenten aus anderen Ländern in Coburg.

Für internationale Beziehungen sorgen die Städtepartnerschaften in Stadt und Landkreis, die durch  gegenseitige Besuche mit Leben erfüllt werden. Coburger  Unternehmen pflegen wirtschaftliche Beziehungen in ganz Europa.

Auch im Bereich Kultur und Veranstaltungen ist Coburg weltoffen und vielfältig: Das Samba-Festival bringt jedes Jahr nicht nur die Stadt zum Beben, sondern zieht auch Musikgruppen, Sänger, Tänzer und Gäste aus ganz Europa und der Welt an.

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Die Ehrenplakette des Europarats überreichte Johanna Schicker, früheres Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, Coburg OB Norbert Tessmer 2016. Foto: Franziska Bartl/ Europe Direct

Das Europe Direct Informationszentrum an der Volkshochschule ist für Schulen, Unternehmen und Bürger Anlaufstelle für Informationen rund um Europa und die EU.

Für ihr Engagement um das Zusammenwachsen Europas wurde die Stadt Coburg schon mehrfach vom Europarat ausgezeichnet: 1997 mit dem „Europadiplom“, 2009 mit der „Europafahne“ und 2016 mit der „Europaplakette“. All dies ist Voraussetzung, um sich um den „Europapreis“ zu bewerben, die höchste Auszeichnung des Europarats, den jährlich nur eine oder zwei Städte in ganz Europa erhalten.

 

Aus: Europa in Coburg. Eine Veröffentlichung des Europe Direct Informationszentrums Coburg

Mehr über „Europa in Coburg“ erfahren

hefttitelMehr über  „Europa in Coburg“ lesen Sie in der gleichnamigen Broschüre, die Sie kostenlos in gedruckter Form in Ihrem Europe Direct Informationszentrum Coburg erhalten, oder hier als pdf herunterladen können.

Die Broschüre informiert auf 28 Seiten unter anderem über hiesige Infrastrukturprojekte, die durch EU-Gelder gefördert wurden und werden, wie etwa den Goldbergsee als Hochwasserrückhaltebecken und Naherholungsgebiet oder den Umbau des ehemaligen Schwimmbads in Witzmannsberg zum Kulturzentrum. Auch Schul-, Kultur-, Forschungs- und Bildungs-Projekte, die die EU vor Ort ermöglicht, werden anschaulich erklärt.

Ferner geht es um die Städte- und Gemeindepartnerschaften der Stadt Coburg und der Städte und Gemeinden im Landkreis, um die zahlreichen Schulprojekte, Schulpartnerschaften und Schüleraustausche, um die Vorteile des europäischen Binnenmarkts für die hiesige Wirtschaft, die Vorteile für Verbraucher vor Ort durch EU-Gütesiegel, die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Polizei in Oberfranken mit der im angrenzenden Tschechien und vieles mehr!

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