Von Zetteln und Zeitzeugen

20. November 2009

 

Coburg – Die Dramaturgie des 9. November 1989 hätten sich Krimiautoren nicht spannender ausdenken können. Und dass der Stoff nicht nur filmisch, sondern auch als authentische Grundlage einer Lesung taugt, bewies in beeindruckender Manier der Drehbuchautor und Schriftsteller Florian Huber (Foto) am Freitag, 20. November. Zur Autorenlesung mit dem Urheber des Buches „Schabowskis Irrtum“ hatten das Europe Direct Informationszentrum und das thüringisch-fränkische Netzwerk für Demokratie in das Foyer der Stadtbücherei Coburg eingeladen.

Bei dem gerade im Verlag Rowohlt, Berlin, erschienenen Werk Hubers handelt es sich um das Begleitbuch der vor wenigen Tagen ausgestrahlten ARD-Dokumentation „Schabowskis Zettel“. Es spielt im Titel an auf jenen ominösen Zettel, den der Regierungssprecher Günter Schabowski während der legendären Ost-Berliner Pressekonferenz hervor kramte …

In Buch und Film schildert Florian Huber die dramatischen Ereignisse aus der Sicht von Beteiligten, aus der eines Stasi-Grenzwächters, eines Ostberliner Liebespaares, eines Obersten der Volkspolizei, eines Westberliner Studenten – und eben Günter Schabowskis. So entsteht das packende Porträt dieser 24 Stunden, von der morgendlichen Sitzung im DDR-Innenministerium, wo über eine neue Reiseregelung verhandelt wurde, über die entscheidende Pressekonferenz bis hin zur Öffnung der Grenzbäume kurz vor Mitternacht. Im Anschluss an die Lesung ließ Florian Huber in Coburg das historische Geschehen auch in Bildsequenzen noch einmal lebendig werden.

Florian Huber, Dr. phil, ist 1967 in Nürnberg geboren und bei Neustadt/Aisch und am Chiemsee groß geworden. Er studierte Geschichte und Volkswirtschaft in Köln und arbeitete von 1998 bis 2006 als Redakteur und Regisseur beim NDR-Fernsehen. Er ist Autor zahlreicher Dokumentarfilme zu verschiedenen Themen der Geschichte.


Die Mauer in Coburg

10. November 2009

  

Coburg – Es war ein Highlight im Utopolis: Das Europe Direct Informationszentrum begrüßte am Dienstag, 10. November, den vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmemacher und Maler Jürgen Böttcher alias Strawalde aus Berlin. Böttcher gastierte im Coburger Kino aus Anlass der Aufführung seines Dokumentarstreifens „Die Mauer“ im Rahmen der VHS-Filmreihe. Im Anschluss an den Film stand der Autor dem Publikum persönlich für ein Filmgespräch zur Verfügung. Er ging auf Fragen zu seinem Schaffen ein und erzählte vor einem beeindruckten Auditorium aus einem an diesem Abend weit geöffneten Nähkästchen.

In dem 1989 und 1990 entstandenen Werk „Die Mauer“ reflektiert Jürgen Böttcher als Drehbuchautor und Regisseur seine persönlichen Impressionen von den letzten Tagen der Berliner Mauer. Böttcher zeigt geschichtsträchtige Schauplätze wie den Potsdamer Platz, den Reichstag und das Brandenburger Tor, aber auch stillgelegte unterirdische Bahnhöfe. Der „antifaschistische Schutzwall“ dient ihm als Projektionsfläche für historische Filmzitate, für Archivbilder aus der Geschichte der Stadt, aus Kaiserreich, Republik, Drittem Reich – und aus der DDR.

Jürgen Böttcher erhielt für „Die Mauer“ den als „europäischen Oscar“ bezeichneten Felix, den Europäischen Filmpreis für den besten Dokumentarfilm. Neben weiteren nationalen und internationalen Auszeichnungen erhielt er 1992 das Filmband in Gold für sein Lebenswerk und 2001 das Bundesverdienstkreuz. Auf der Berlinale 2006 wurde ihm die „Berlinale Kamera“ verliehen.


Offen für Europa

8. November 2009

Handschlagbild 

Coburg – Am verkaufsoffenen Sonntag des 8. November war „COBURG GANS OFFEN für Europa“. Auch Europe Direct nutzte den Aktionstag von Stadtmarketing, Einzelhandel und Gastronomie, um mit eigenen Angeboten zum Gelingen des Spektakels beizutragen. So lud das Informationszentrum zu einer Bürgersprechstunde in das Bürgerbüro des Rathauses ein – und eröffnete im Lichthof der Sparkasse Coburg-Lichtenfels am Markt die Plakatausstellung „Von der Friedlichen Revolution zur Deutschen Einheit“. Die Eröffnung erfolgte im Anschluss an die feierliche Verleihung der Ehrenfahne des Europarates an die Stadt Coburg im Rahmen einer Festsitzung des Stadtrates im Rathaussaal.

Die Plakatausstellung „Von der Friedlichen Revolution zur Deutschen Einheit“. ist nach den Präsentationen zu den Themen „17. Juni 1953“ sowie Mauerbau und Grenzregime die dritte Ausstellung, die Europe Direct aus Anlass des 20. Jahrestages der Grenzöffnung in Coburg zeigt. Sie ist in der Sparkasse bis Donnerstag, 19. November, zu den üblichen Geschäftszeiten zu sehen, also montags bis mittwochs und freitags von 8.30 Uhr bis 16 Uhr, donnerstags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr. Im Anschluss, von Montag, 23. November, bis Freitag, 29. Januar 2010, zeigt Europe Direct die Plakate an der Volkshochschule Coburg im Haus Löwenstraße 16.

Die Initiative von Europe Direct würdigten zur Ausstellungseröffnung in Ansprachen auch Siegfried Wölki, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, und Johanna Schicker, Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Frau Schicker hatte auch im Rathaussaal die Festrede gehalten.

Die in der Sparkasse präsentierte Ausstellung ist von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gemeinsam mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung konzipiert worden. Sie ist bestimmt für die historisch-politische Bildungs- und Kulturarbeit im In- und Ausland und wirft Schlaglichter auf die Entwicklung der Jahre 1989 und 1990. In Text und Bild erinnert sie an den Widerstand gegen die Fälschung der Kommunalwahlen der DDR im Mai, an die Fluchtbewegungen im Sommer und an die Massenproteste im Herbst. Die Ausstellung handelt von der Demokratisierung der DDR, von deutsch-deutscher Solidarität und den außenpolitischen Weichenstellungen bis zur Wiedererlangung der deutschen Einheit im Oktober 1990.

Die Ausstellung ergänzt eine Leihgabe von Dr. Wolfgang Gawin. Der frühere Leitende Rechtsdirektor der Stadt Coburg präsentiert eine von dem tschechischen Künstler Vladimir Kopecký geschaffene Skulptur. Sie besteht aus einem originalen Stück DDR-Grenzzaun und einem originalen Grenzpfosten aus Beton. Dr. Gawin hat die Teile 1989 bei Rottenbach selbst abgebaut.